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40 Jahre Fritz-Felsenstein-Haus: Vom Selbsthilfeverein zum professionellen Dienstleister für Menschen mit Handicap

Festakt

Königsbrunn, 3. März 2008. Mit einem Festakt eröffnete unser Haus am vergangenen Freitag die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 40. Geburtstag unserer Einrichtung. Alle Veranstaltungen des Jubiläumsjahrs stehen unter dem Motto „40 Jahre Felsensteiner mittendrin“. Gäste aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft waren gekommen, um in Grußworten unseren Mitarbeitern und Verantwortlichen ihren Dank für die kompetente Arbeit und die konsequente Weiterentwicklung der Einrichtung auszusprechen. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Duo „Con espressivo“ – zweier junger Künstler, die vom Verein Live Music Now e.V. gefördert werden, sowie abwechslungsreichen Darbietungen unserer Schüler.

Schirmherr Jürgen Reichert wies in seiner Rede auf die besondere Verantwortung hin, die das Haus seit vier Jahrzehnten gegenüber behinderten Menschen übernehme und lobte die herausragende Arbeit, die hier geleistet wird. Gleichzeitig mahnte er die weitere Öffnung aller gesellschaftlichen Bereiche für Menschen mit Behinderungen an. Der Bezirkstagspräsident appellierte an die Wirtschaft, verstärkt Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen anzubieten – das Potential sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Auch weitere Gastredner wie beispielsweise Regierungspräsident Ludwig Schmid, betonten die zentrale Rolle, die das Kompetenzzentrum für Schwaben und Bayern spielt. Die Entwicklung des bayerischen Förderschulwesens sei maßgeblich von der Arbeit der Fritz-Felsenstein-Schule beeinflusst worden, so Schmid. Königsbrunns Bürgermeister Karl Fröhlich sieht in unserm privaten Förderzentrum eine Bereicherung für das gesellschaftliche Leben der Stadt. Das Kompetenzzentrum sei in ganz Schwaben als beispielgebende Einrichtung für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen bekannt, so Fröhlich. Als Vertreterin der Freunde und Förderer, die unser Haus regelmäßig finanziell unterstützen, stellte Ursula Brandhorst, die Marketingchefin der Stadtsparkasse Augsburg die Notwendigkeit dar, einzelne Projekte zu unterstützen, die nicht über öffentliche Mittel finanzierbar sind. Als Geburtstagsgeschenk brachte sie einen weiteren schwäbischen Jubiliar ins Gespräch: unsere Kinder werden Vorstellungen der Puppenkiste besuchen, die kürzlich ihren 60. Geburtstag beging.

Bescheidene Anfänge
Mit 21 Kindern startete 1968 in der Ulmer Straße in Augsburg die Fritz-Felsenstein-Schule. Der Gründung vorausgegangen waren Jahre des zähen Ringens mit Behörden und Ämtern. Der Arzt Dr. Horst Matthäus hatte - wie sein Vorgänger und Namensgeber der Einrichtung Dr. Fritz Felsenstein - die fehlende schulische und therapeutische Förderung körperbehinderter Kinder angeprangert. Die neu gegründete Schule sowie das angegliederte Internat der Einrichtung verbesserten zumindest für einige der „schwäbischen Sorgenkinder“ – so die Augsburger Rundschau damals - die Situation. „Ein großes Haus für die kranken Kleinen“ wollte man bereitstellen, in dem die so dringend notwendige spezielle Schulförderung und medizinische Betreuung körperbehinderter Kinder unter einem Dach geleistet werden konnte.

1970 besuchten bereits 64 Schüler die Schule, deshalb zog man in ein größeres Gebäude auf dem Gelände der Hessing-Klinik nach Göggingen. Stets herrschte Platzmangel, die Zahl der geförderten Kinder nahm permanent zu. Da auch dieses Gebäude bald aus allen Nähten zu platzen drohte, fiel 1974 die Entscheidung, das FFH nach Königsbrunn zu verlegen. Zur offiziellen Einweihung 1978 war die Schülerzahl bereits auf 200 angewachsen.

Wachsen, erweitern, anbauen
Doch nicht nur die Schülerzahl war für die Verantwortlichen eine Herausforderung; auch dem Bedarf an individueller Förderung wollte die Einrichtung nachkommen. Deshalb passte man in den folgenden zwei Jahrzehnten das Förder- und Betreuungskonzept des Hauses konsequent an die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen an. Dazu gehörten z.B. die Erweiterung des Beratungsangebots für Eltern, die Einführung moderner Therapiemethoden und der Aufbau der Berufsschulstufe, um Schüler auf eine Tätigkeit in einer Behindertenwerkstätte vorzubereiten.

Die letzten 10 Jahre standen ganz im Zeichen umfangreicher Modernisierungen: Anbauten an Tagesstätte, Schule und Therapie, der Umbau von Schwimmbad und Internat sowie die derzeitige Modernisierung der Förderstätte zeugen vom steten Wachstum der Einrichtung.

Attraktive und differenzierte Leistungen
Heute genießt unsere Einrichtung in ganz Bayern den Ruf eines Förderzentrums, das die Leistungspotentiale körperbehinderter Menschen erschließt. Neben der schulischen Förderung steht die praktische Lebenshilfe an vorderster Stelle, damit die Kinder und Jugendlichen die für sie am besten geeigneten Ausbildungs-, Beschäftigungs- und Wohnmöglichkeiten realisieren. Selbstbewusstsein und ein positives Lebensgefühl sind wichtiges Rüstzeug für ein selbst bestimmtes Leben – so das Kredo unseres Hauses.